Das Bundesland Tirol ist bei Touristen seit je her beliebt. Hier liegen viele der schönsten Gebirgsregionen und Naturschätze Österreichs, die vor allem Sportbegeisterten eine Vielzahl an Möglichkeiten bieten. Doch neben unzähliger Aktivitäten wie Skifahren und Wandern gibt es einen weiteren Grund, warum Tirol von so vielen Reisenden geschätzt wird: die unverwechselbare Kultur mit ihrer langen Geschichte. Die verschiedenen Bräuche und Traditionen sind es, die der Gegend ihren ganz eigenen Charakter verleihen und rund ums Jahr für Abwechslung, Spaß und Erlebnisse sorgen. In diesem Beitrag wollen wir Ihnen einige der typischen Tiroler Bräuche etwas näher vorstellen. Außerdem geben wir Ihnen Tipps, wo Sie auch am Wilden Kaiser typische Bräuche der Region erleben können.

1. Tiroler Jause – ein fester Bestandteil der Tiroler Lebensart

Die Tiroler Jause, auch Marend genannt, ist zwar nicht wirklich ein Brauch, aber eine Besonderheit und ein fester Bestandteil der Tiroler Lebensart. Dabei handelt es sich um eine herzhafte Zwischenmahlzeit, die am späten Nachmittag oder frühen Abend am liebsten in einer fröhlichen Runde genossen wird. Bei einer zünftigen Tiroler Jause darf natürlich ein gutes Stück Tiroler Speck nicht fehlen. Dieser wird Scheiben, „Stifterln“ oder auch in Würfel geschnitten und dann mit einem guten, krustigen Schwarzbrot serviert. Damit die Gaumenfreude perfekt ist, gehören auch originaler Tiroler Bergkäse und eine traditionelle Bergwurz dazu. In all diesen Produkten schmecken die erstklassigen, regionalen Zutaten und jahrhundertelanges Handwerk, für die sich die Region einen Namen gemacht hat. Abgerundet wird diese herzhaft-bodenständige Mahlzeit von einem Tiroler Obstler.
Auch am Wilden Kaiser haben Besucher die Möglichkeit, die Spezialitäten aus der Region zu genießen. Mit einem atemberaubenden Panoramablick auf das Kaisergebirge, wird selbst eine kleine Jause mit Schinken und Wurst, zu einem absolut unvergesslichen Höhepunkt!

2. Almabtrieb in Tiroler Tradition

Überall in Tirol ist die Viehzucht allgegenwärtig: Jedes Jahr werden allein in Tirol rund 180.000 Pferde, Schafe, Rinder und Ziegen auf hunderte Gebirgsalmen gebracht. Dort genießen die Tiere die Sommerfrische auf den saftig-grünen Wiesen. Was für die Tiere wie ein Urlaub ist, hat auch einen praktischen Grund: Die Bauern müssen kein Futter zukaufen und gleichzeitig kann verhindert werden, dass die Almen verwildern.
Doch im Herbst, wenn die Temperaturen wieder abkühlen und sich langsam der Winter ankündigt, ist es Zeit, dass die Tiere in ihren heimeligen Stall zurückkehren.
Die Heimkehr des Viehs zu ihren Höfen wird in Tirol in vielen Orten seit Jahrhunderten in großem Stil gefeiert. Kühe werden mit bunten Blumen und Glocken geschmückt und für die Bauern ist es ein Anlass, ihre Heimkehr mit gutem Essen zu feiern. Begleitet werden die Festlichkeiten oft von Musik.
Wer den Almabtrieb am Wilden Kaiser erleben möchte, der sollte im September nach Söll fahren, denn hier geht es in der Almabtriebswoche hoch her: Trachten, Musik und gute Stimmung sind hier garantiert!

3. Herz Jesu Bergfeuer – Feuer mit langer Geschichte

Ein Brauch, der bereits im 19. Jahrhundert entstanden ist und heute noch gepflegt wird, ist das Herz-Jesu Feuer.
Entstanden ist das schöne Schauspiel ursprünglich als ein Zeichen des Widerstandes: Als 1796 französische Truppen unter Napoleon I. immer näher rückten und die Region bedrohten, hofften die Tiroler auf die Hilfe Gottes, genauer den Beistand des „Heiligsten Herzen Jesu“. Als Zeichen des Bündnisses aller Tiroler wurden Feuer in Form von religiösen Motiven entzündet. Noch heute erinnern die Bergfeuer jedes Jahr an dieses historische Ereignis.
Auch am Wilden Kaiser wird der Brauch gefeiert. Der Trachtenverein Ellmau entzündet hier im Jahr 2017 bereits zum 36. Mal ein leuchtendes Herz aus 320 Fackeln auf dem Bergrücken an.

Foto: © TVB Wilder Kaiser / Daniel Reiter / Peter von Felbert

4. Krapfenschnappen in Osttirol zu Allerheiligen

Beim Krapfenschnappen (oder auch Krapfenbetteln) handelt es sich um einen Brauch, der in verschiedenen Varianten vor allem in Osttirol zu Allerheiligen verbreitet ist.
Die auffällige Verkleidung macht diese Tradition zu etwas Besonderem: Junge Burschen oder Männer ziehen in weißem Hemd und mit einem Fell über dem Gesicht sowie einem Hut auf dem Kopf von Haus zu Haus. Ihre Ankunft kündigen Sie mit Klopfen und Sprüchen an, wobei die Stimme verstellt wird. Im Gegenzug für das Vortragen eines Gedichtes und aufgeführte Tänze erhalten Sie in Schmalz gebackene Krapfen.

5. Fastnacht feiern wie ein Tiroler

Fastnacht zählt zu den faszinierendsten Bräuchen Tirols. So unterschiedlich und vielseitig die Feierlichkeiten auch sein mögen, eins haben sie alle gemeinsam: im Mittelpunkt steht stets der Kampf des Frühlings gegen den Winter.
Die Wurzeln dieses farbenfrohen und lebhaften Brauchtums liegen weit in der Geschichte. Ursprünglich hatten die vielen prachtvollen Masken und Figuren vor allem mit Sonnenkult und Fruchtbarkeitszauber zu tun, gleichzeitig ging es auch um das Vertreiben böser Kräfte. Bis heute fehlt es den Fastnachtbräuchen nicht an Ausgelassenheit, Fantasie und Lebensfreude. Neben aufwändig verzierten Wagen und Paraden, können Besucher bei Tiroler Spezialitäten das Geschehen genießen. Ein unvergessliches Erlebnis, bei der die traditionsreiche Geschichte Tirols greifbar wird.

Tipp: Zu ganz besonderen Events der Region zählen außerdem das Imster Schemenlaufen, das Nassereither Schellerlaufen oder auch das Telfer Schleicherlaufen, diese finden allerdings je nach Brauchtum nur alle 3-5 Jahre statt.

6. Erntedankfeste in der Region

Das Erntedankfest wird in vielen Ländern der Welt auf unterschiedlichste Weise zelebriert. In Tirol wird die ertragreiche Ernte Anfang Oktober gefeiert, in der Regel mit feierlichen Messen und Prozessionen, bei denen auch bäuerliche Produkte geweiht werden. Eine aus Getreidegarben, Buchs, Blumen und Feldfrüchten hergestellte Erntedankkrone ist dabei ein wichtiges Requisit, das bildhaft für die Ernte steht. Sie wird von bei einer Erntedankprozession von jungen Männern durch das Dorf getragen.
Wer das Erntedankfest am Wilden Kaiser mitfeiern möchte, sollte einen Besuch in Söll abstatten. Hier wird das Erntedankfest mit einem Gottesdienst und einem Festzug zelebriert.

7. Tiroler Osterbräuche

Ostern gehört zu den wichtigsten Festen in der christlich geprägten westlichen Welt. Daher verwundert es nicht, dass verschiedene Osterbräuche auch in Tirol weit verbreitet sind. Eine Besonderheit ist dabei das Brauchtum der Palmstange in Karwendel. Am Palmsonntag werden auf den umliegenden Bauernhöfen eifrig Palmstangen gebastelt. Das sind Holzstangen, die mit Kräutern, Äpfeln und Palmbrezen verziert werden. Eine echte Tiroler Palmstange besteht aus 7 unterschiedlichen Kräutern, zu denen neben Ölzweigen auch Palmkätzchenzweige, Efeu, Buchs, Wintergrün, Wacholder und Zeder gehören. Ebenfalls nicht fehlen dürfen bunte Bänder als Schmuck. Die Träger der Palmstangen treffen sich in der Kirche, wo die Stangen geweiht werden. Natürlich bleibt dabei eins nicht unwichtig: Wer hat wohl die längste Stange?
Besucher, die ihre Osterferien am Wilden Kaiser verbringen, können auch vor Ort viele Osterbräuche der Region erleben. Mit dazu gehört zum Beispiel das Ostereierschießen der Goinger Schützen, das jedes Jahr für viel Spaß sorgt.